Die Auswertung von Steuerdaten-CDs ist noch nicht zu Ende – die Entdeckungsgefahr bleibt

Nach den Panama Papers wertet die deutsche Finanzverwaltung auch die Paradise Papers aus
Nach den Panama Papers wertet die deutsche Finanzverwaltung auch die Paradise Papers aus

Luxemburg Leaks, Panama und Paradise Papers – reihenweise gab es in den vergangenen Jahren Enthüllungen über die Steuerflucht multinationaler Konzerne und Vermögender. Nach den Panama Papers nimmt jetzt die hessische Steuerverwaltung die die sogenannten „Paradise Papers“ und „weitere umfangreiche Datenleaks“ unter die Lupe und setzt dabei verstärkt auf neue Datensätze.

Die Auswertung der Steuerdaten geschehe federführend für die Steuerverwaltungen der anderen Bundesländer, teilte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Sonntag, 4.11.2018, in Wiesbaden mit. Bei den vor genau einem Jahr veröffentlichten „Paradise Papers“ geht es um 13,4 Millionen Dokumente über Finanzgeschäfte von Politikern, Prominenten und Konzernen über Briefkastenfirmen in Steueroasen.

Neue Datensätze aus dem Ausland

Über die neuen „Daten-Leaks“ wollte der Sprecher des hessischen Finanzministeriums keine näheren Angaben machen. Es handele sich um „Datensätze aus dem außereuropäischen wie europäischen Ausland“. Man könne noch nicht sagen, wie „werthaltig“ diese Daten für die Steuerbehörden seien.

Beispielsweise müsse geklärt werden, inwieweit mögliche Steuervergehen bereits verjährt seien und welche Zusammenhänge aus den Daten tatsächlich herausgelesen werden könnten. Die Ermittlungen würden vom Bundeskriminalamt geführt.

Die der „Süddeutschen Zeitung“ zugespielten „Paradise Papers“ waren von weltweit fast 100 Medien, darunter in Deutschland auch NDR und WDR, ausgewertet und im November 2017 veröffentlicht worden. Zahlreiche Prominente und Konzerne gerieten vor allem mit Transaktionen bei einer Kanzlei auf den Bermudas in eine öffentliche Debatte über ihre Steuerpraktiken.

Prüfing der “Panama Papers” noch nicht abgeschlossen

Hinsichtlich der im April 2016 veröffentlichten “Panama-Papers” habe man bisher Daten zu rund 1.000 Offshore-Gesellschaften an inländische und zu rund 100 Offshore-Gesellschaften an internationale Steuerbehörden weitergeleitet. Auch bei diesen Daten hatte Hessen federführend die Auswertung übernommen. Alleine in Hessen würden derzeit mehr als 100 Fälle aus den “Panama Papers” auf ihre steuerliche Relevanz geprüft.

Einsatz Künstlicher Intelligenz

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung untersuche man auch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Am Finanzamt Kassel II-Hofgeismar werde das Ministerium eine Forschungsstelle einrichten. Sie soll prüfen, wie Künstliche Intelligenz zur Auswertung großer Datenmengen eingesetzt werden könne.

In der Erklärung des hessischen Finanzministeriums heißt es, die Auswertung von “Panama Papers”, “Paradise Papers” und des zusätzlichen Daten-Leaks werde “noch einige Zeit in Anspruch nehmen”. Die Auswertung sei “äußerst komplex”, mühsam und langwierig. Es gehe um “mehrere Millionen Dateien”.