Art. 24 Vermeidung der Doppelbesteuerung

Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland – Schweiz

(1) Bei einer Person, die in der Bundesrepublik Deutschland ansässig ist, wird die Doppelbesteuerung wie folgt vermieden:

1. Von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer werden die folgenden aus der Schweiz stammenden Einkünfte, die nach den vorstehenden Artikeln in der Schweiz besteuert werden können, ausgenommen:

      a)  Gewinne im Sinne des Artikels 7 aus eigener Tätigkeit einer Betriebstätte, soweit die Gewinne nachweislich durch Herstellung, Bearbeitung, Verarbeitung oder Montage von Gegenständen, Aufsuchen und Gewinnung von Bodenschätzen, Bank- und Versicherungsgeschäfte, Handel oder Erbringung von Dienstleistungen unter Teilnahme am allgemeinen Wirtschaftsverkehr erzielt werden; gleiches gilt für die Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen, das einer solchen Betriebstätte dient (Artikel 6 Absatz 4), sowie für die Gewinne aus der Veräußerung dieses unbeweglichen Vermögens (Artikel 13 Absatz 1) und des beweglichen Vermögens, das Betriebsvermögen der Betriebstätte darstellt (Artikel 13 Absatz 2). Dies gilt nicht für Einkünfte aus einer stillen Beteiligung als Mitunternehmer an einem in der Schweiz ansässigen Unternehmen, soweit die Schweiz diese Einkünfte nicht nach Artikel 7 besteuert;

     b)  Dividenden im Sinne des Artikels 10, die eine in der Schweiz ansässige Gesellschaft an eine in der Bundesrepublik Deutschland ansässige Gesellschaft ausschüttet,

             –   wenn die in der Bundesrepublik Deutschland ansässige Gesellschaft über mindestens 20 vom Hundert des Kapitals der die Dividenden zahlenden Gesellschaft verfügt und

             –   wenn die in der Schweiz ansässige Gesellschaft in dem Wirtschaftsjahr, für das sie die Ausschüttung vorgenommen hat, ihre Bruttoerträge ausschließlich oder fast ausschließlich aus unter § 8 Absatz 1 Nr. 1 bis 6 des deutschen Außensteuergesetzes fallenden Tätigkeiten oder aus unter § 8 Absatz 2 dieses Gesetzes fallenden Beteiligungen bezieht; maßgeblich ist die am 1. Januar 1990 geltende Fassung dieses Gesetzes[ONR*OA1] ;

      c)  Einkünfte aus einem freien Beruf oder sonstiger selbständiger Tätigkeit im Sinne des Artikels 14, soweit sie nicht unter Artikel 17 fallen; gleiches gilt für die Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen, das der Ausübung des freien Berufes dient (Artikel 6 Absatz 4), sowie für die Gewinne aus der Veräußerung dieses unbeweglichen Vermögens (Artikel 13 Absatz 1) und des beweglichen Vermögens, das zur festen Einrichtung gehört (Artikel 13 Absatz 2);

     d)  Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen im Sinne des Artikels 15, soweit sie nicht unter Artikel 17 fallen, vorausgesetzt, die Arbeit wird in der Schweiz ausgeübt.

      Die Bundesrepublik Deutschland wird jedoch diese Einkünfte bei der Festsetzung des Satzes ihrer Steuer auf die Einkünfte, die nach dieser Vorschrift nicht von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen sind, einbeziehen.

      Das Vorstehende gilt entsprechend für die in der Schweiz belegenen Vermögenswerte, wenn die daraus erzielten Einkünfte nach den Buchstaben a bis c von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen sind oder auszunehmen wären.

2. Soweit Nummer 1 nicht anzuwenden ist, wird bei den aus der Schweiz stammenden Einkünften und bei den dort belegenen Vermögenswerten die in Übereinstimmung mit diesem Abkommen erhobene und nicht zu erstattende schweizerische Steuer nach Maßgabe der Vorschriften des deutschen Rechts über die Anrechnung ausländischer Steuern auf den Teil der deutschen Steuer (mit Ausnahme der Gewerbesteuer) angerechnet, der auf diese Einkünfte oder Vermögenswerte entfällt.

3. Bei einer nach deutschem Recht errichteten Offenen Handelsgesellschaft oder Kommanditgesellschaft, an der neben in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Personen auch Personen beteiligt sind, die nicht in der Bundesrepublik Deutschland ansässig sind, und die ihre Geschäftsleitung in der Bundesrepublik Deutschland hat, finden hinsichtlich der aus der Schweiz stammenden Einkünfte die Vorschriften des deutschen Rechts über die Anrechnung ausländischer Steuern auch auf den Teil der Einkünfte entsprechend Anwendung, der der deutschen Besteuerung unterliegt und der auf die nicht in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Personen entfällt.

4. Verwendet eine in der Bundesrepublik Deutschland ansässige Gesellschaft Einkünfte aus Quellen innerhalb der Schweiz zur Ausschüttung, so stehen die Nummern 1 bis 3 der Herstellung der Ausschüttungsbelastung nach den Vorschriften des Steuerrechts der Bundesrepublik Deutschland nicht entgegen.

(2) Bei einer Person, die in der Schweiz ansässig ist, wird die Doppelbesteuerung wie folgt vermieden:

1.[1] Bezieht eine in der Schweiz ansässige Person Einkünfte oder hat sie Vermögen und können diese Einkünfte oder dieses Vermögen nach diesem Abkommen (ausgenommen Artikel 4 Absätze 3, 4 und 9 und Artikel 23) in der Bundesrepublik Deutschland besteuert werden, so nimmt die Schweiz diese Einkünfte (ausgenommen Dividenden) oder dieses Vermögen von der Besteuerung aus; die Schweiz kann aber bei

      der Festsetzung der Steuer für das übrige Einkommen oder das übrige Vermögen dieser ansässigen Person den Steuersatz anwenden, der anzuwenden wäre, wenn die betreffenden Einkünfte oder das betreffende Vermögen nicht von der Besteuerung ausgenommen wären.

2. Bezieht eine in der Schweiz ansässige Person Dividenden, die nach Artikel 10 in der Bundesrepublik Deutschland besteuert werden können, so gewährt die Schweiz dieser Person auf Antrag eine Entlastung. Diese Entlastung besteht

      a)  in der Anrechnung der nach Artikel 10 in der Bundesrepublik Deutschland erhobenen Steuer auf die vom Einkommen dieser Person geschuldete schweizerische Steuer, wobei der anzurechnende Betrag jedoch den Teil der vor der Anrechnung ermittelten schweizerischen Steuer nicht übersteigen darf, der auf die Dividenden entfällt, oder

     b)  in einer pauschalen Ermäßigung der schweizerischen Steuer oder

      c)  in einer vollen oder teilweisen Befreiung der Dividenden von der schweizerischen Steuer, mindestens aber im Abzug der in der Bundesrepublik Deutschland erhobenen Steuer vom Bruttobetrag der Dividenden.

3.1a Bezieht eine in der Schweiz ansässige Person Zinsen, Lizenzgebühren oder Veräußerungsgewinne, die nach Artikel 23 in der Bundesrepublik Deutschland besteuert werden können, so gewährt die Schweiz den Abzug der in der Bundesrepublik Deutschland erhobenen Steuer vom Bruttoertrag der Zinsen, Lizenzgebühren oder Veräußerungsgewinne.

4. Ungeachtet der Nummer 1 nimmt die Schweiz die einer in der Schweiz ansässigen Person gehörenden Anteile an einer in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung noch während fünf Jahren vom Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung dieses Abkommens an gerechnet von der schweizerischen Steuer vom Vermögen aus; sie behält aber das Recht, bei der Festsetzung der Steuer für das übrige Vermögen dieser ansässigen Person den Steuersatz anzuwenden, der anzuwenden wäre, wenn diese Anteile nicht von der Besteuerung ausgenommen wären.

5. Die Schweiz wird gemäß den Vorschriften über die Durchführung von zwischenstaatlichen Abkommen des Bundes zur Vermeidung der Doppelbesteuerung die Art der nach Nummer 2 vorgesehenen Entlastung bestimmen und das Verfahren ordnen.


[1] Art. 24 wurde geändert durch Art. IV des Revisionsprot. vom 12. 3. 2002 zu dem Revisionsprot. vom 12. 2. 2002 zu dem Abk. vom 11. 8. 1971 zw. der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen, in Kraft seit 24. 3. 03 (SR 0.672.913.623). Der bisherige Art. 24 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. b wurde gestrichen, Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a wurde Nr. 1, Abs. 2 Nr. 3 wurde gestrichen, Abs. 2 Nrn. 4 bis 6 wurden Nrn. 3 bis 5 und in der neuen Nr. 5 wurden die Worte „nach den Nrn. 2 und 3“ durch die Worte „nach Nr. 2“ ersetzt.


Deutsches Recht

§ 34c Abs. 1 und Abs. 6 EinkommensteuergesetzEStG

Verwaltungsanweisungen

BMF-Schrb. v. 26. 3. 1975, IV C 6 – S. 1301 Schweiz – 3/75, BStBl. I 1975, 479, BeckVerw 028202 („Einführungsschreiben zum DBA-Schweiz 1971]“); BMF-Schreiben v. 23. 3. 83, BStBl. I 1983, 218, zuletzt geänd. durch BMF v. 12.4.2005, BStBl. I 2005, 570, BeckVerw 027721 BeckVerw 027721; BMF-Schreiben betr. Grundsätze zur Anwendung des AStG v. 14. 5. 2004 – IV B 4 – S 1340 – 11/04, BeckVerw 051455; BMF-Schreiben v. 19. 9. 94 (Einführungschrb. zur Neuregelung der Grenzgängerbesteuerung) IV C 6 – S. 1301 Schz. – 60/94, BStBl. I 1994, 683, BeckVerw 028225, zuletzt geänd. durch BMF-Schreiben v. 18. 12. 2014, BStBl. I 2015, 22; Niedersächsisches Finanzministerium, Erlass betreffend Behandlung von Dividenden, die der Schweizer Betriebsstätte eines Steuerinländers aus einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft mit aktiver Tätigkeit zufließen, vom 19. 6. 1980 S. 1301–291–33 2, BeckVerw 032651; BMF-Schreiben betr. Anwendung des § 8 b KStG 2002 und Auswirkungen auf die Gewerbesteuer vom 28. 4. 03 IC A2 – S 275/50 a – 7/03, BStBl. I 03, 292; OFD Berlin, Vfg. v. 22. 1. 04, St 127 – S. 1300 – 3/4 (Steuerermäßigung bei ausländischen Einkünften: Anrechnung ausländischer Steuern nach § 34 c EStG, § 26 KStG – Änderung durch das Steuervergünstigungsabbaugesetz ab VZ 2003), BeckVerw 064229; BMF-Schreiben v. 14. 5. 2004, IV B 4 – S 1340 – 11/04 (Außensteuererlass), BStBl. 2004, Sondernummer 1.

Schweizer Recht

Verordnung über die Anrechnung ausländischer Quellensteuern – PAStV (SR 672.201)

Die ausländischen Quellensteuern setzen sich meistens zusammen aus einem rückforderbaren Anteil (s. Rückforderung ausländischer Quellensteuern im Ausland ) und einem an und für sich nicht rückforderbaren Anteil. In den Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) hat sich die Schweiz jedoch verpflichtet, auf Antrag den in der Schweiz ansässigen Empfängern für die nicht rückerstattbaren Quellensteuern eine Entlastung von den schweizerischen Steuern zu gewähren. Diese Entlastung erfolgt in der Regel durch eine Anrechnung ausländischer Quellensteuern gemäss Verordnung des Bundesrats vom 22. 8. 1972. Dabei wird nicht das steuerbare Einkommen herabgesetzt, sondern – mit gewissen Einschränkungen – die Steuer des Partnerstaats vom schweizerischen Steuerbetrag abgezogen. Voraussetzung für eine Anrechnung ist grundsätzlich eine entsprechende Einkommenssteuerbelastung im betreffenden Fälligkeitsjahr.

Eine Übersicht über die Entlastung der Dividenden und Zinsen von ausländischen Steuern im Rahmen der DBA findet sich am Ende der Kursliste für in der Schweiz kotierte in- und ausländische Wertpapiere , die die Eidgenössische Steuerverwaltung jährlich publiziert. Weitergehende Erläuterungen finden Sie ebenfalls auf dem Merkblatt über die Pauschale Steueranrechnung (DA-M) der Eidg. Steuerverwaltung. 

  • Antrag auf Anrechnung ausländischer Quellensteuern für ausländische Dividenden und Zinsen für natürliche Personen ( Antrag DA-1
  • Antrag auf Anrechnung ausländischer Quellensteuern für ausländische Dividenden und Zinsen für juristische Personen ( Antrag DA-2
  • Antrag auf Anrechnung ausländischer Quellensteuern für ausländische Dividenden und Zinsen für natürliche und juristische Personen ( Antrag DA-3)   

Verwaltungsanweisungen

ESTV, Kreisschreiben 1-027-D-2009-d v. 17.12.2009 Steuerermässigung auf Beteiligungserträgen von Kapitalgesellschaften und Genossenschaften; ESTV KS 1-004-DV-2004-d v. 19.3.2004 Besteuerung von Dienstleistungsgesellschaften; ESTV, Kreisschreiben 1-024-VS-2017-d v. 20.11.2017, Anh. III: Inanspruchnahme von DBA durch kollektive Kapitalanlagen auf dem Rückerstattungsweg – Staatenverzeichnis